VersOut

 

Im Juli 2017 pünktlich zur Ausstellung „Goethe und andere Liebhaber“ in der Domgalerie „Tiefer Keller“ in Merseburg erschien das Buch „VersOut“. In roten Versalien prangt der anglografische Titel auf einem weiblichen Unterleib, dessen Scham mit einem Feigenblatt verdeckt wurde. Der blaue Hintergrund lässt die Frau schwimmen oder schweben, ob in Luft oder Wasser bleibt dem Betrachter überlassen.

VersOut Titel

Von „Fotografien von heute, Gedichte über sexuelle Verirrungen, Phantasien und Wünsche von der Antike bis zur Gegenwart“ handelt das Buch dem Untertitel nach. Ein Inhalt, der sich auf 120 Seiten im DinA4-Langformat ausbreitet. Es ist eine gelungene Mischung der Lyrik beginnend mit den erotischen Gedanken der griechischen Antike, über das Mittelalter, den Petrarkismus, Barock, Romantik, Klassik, bis in die Vielzahl der Strömungen ab dem 18. Jahrhundert, endend im Jahr 2017. Die wichtigsten Stopps befinden sich dem Titel entsprechend an den erotisch heftigeren Stellen im literarischen Geschehen. Die Fotografien bilden mit den Gedichten eine Einheit und sind, so erfahren wir im Nachspiel, als mögliche Interpretation der Herausgeber zu den Gedichten zu verstehen. Fotograf Peru John schafft es die nötigen Mittel der Verfremdung zu wählen, um das Buch selbst für ältere Semester zu einem interessanten Werk werden zu lassen. Neben klassischen Aktportraits begibt sich das Buch auch auf die Reise in die Fetische des Sexuellen und wirkt hierbei zwar versaut, aber stets künstlerisch. Klassische Themen wie der Mythos von Leda gehören zum Pflichtprogramm, doch auch die Lust am Schmerz, der Zweifel an der sexuellen Identität, die weibliche Regelblutung, Natursekt oder gar das Fantasieren im Sodomiebereich sind Themen, die die Literaten zu Gedichten anregten. Den Schwerpunkt hat die Editorin Ulrike Fanghänel hierbei in den deutschsprachigen Raum gelegt, sofern sinnvoll aber auch den europäischen Kontext berücksichtigt, sodass auch Pietro Aretino, John Wilmot, William Shakespeare, Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire ihren Platz in dem Werk gefunden haben.

Besonders hervorzuheben ist, dass Peru John und Ulrike Fanghänel nicht allein gearbeitet haben, sondern die Maler B.S. Otto, K.-H. Köhler und H.J. Triebsch Malereien zu jeweils einem Gedicht beigesteuert haben. Felice Siana gibt mit dem Bildband ihr literarisches Debüt und steuert neben zwei eigens geschriebenen Gedichten zahlreiche Übertragungen bei.

Das Buch, was sich in Vorspiel, Corespiel, Pinselspiel und Nachspiel gliedert, stellt einen interessanten Einstieg in die erotische Lyrik dar. Zwangsläufig wünscht man sich das eine oder andere davon bereits im Deutschunterricht behandelt haben zu können. Erhältlich ist das Buch zu einem Preis von 24,90 über Thalia in Halle (Saale) oder per Mailorder unter agentur@image-fabrik.de

 

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Ein Gedanke zu “VersOut

  1. Versout habe ich in der Ausstellung in Merseburg gekauft. Es ist ein Buch das gewiss nicht für jeden bestimmt ist. Viele meiner Freunde fangen beim Anblick mancher Bilder an zu kichern wie kleine Schuljungen die zum ersten mal einen Playboy in der Hand halten.
    Doch für die jenigen die Kunst, Erotik und Literatur mal in einer völlig anderen und einzigartigen Kombination erleben wollen ist dieses Buch ein muss!
    Wer von Goethe nur den Osterspaziergang gelesen hat wird sich über sein Venezianisches Epigramm wundern. Für mich war es doch sehr Interessant einen Einblick in die verdorbenen Gedanken berühmter Schriftsteller zu bekommen. Auch wenn ich zu geben muss das sich mir der tiefere Sinn mancher Gedichte nicht so ganz erschließt.
    Aber wer kann beim Anblick dieser wunderschönen Fotomodelle schon alle Gedanken klar beisammen halten?
    Diese finde ich übrigens am bemerkenswertesten. Die Modelle haben im Namen der Kunst die Grenzen der eigenen Scham überwunden und sich nicht einmal von körperlichen Schmerzen abschrecken lassen.
    Alles in allem ist Versout für mich ein Buch mit, neuen Ideen, alten Gedichten die nie in einer Schule gelehrt wurden und ästhetischen Bildern. Es ist ein Buch das abseits vom Mainstream a la Fifty Shades of Grey Einblicke in die Welt der sexuellen Phantasien vergangener und heutiger Tage gewährt.
    Wer offen, tolerant und ein wenig neugierig ist sollte zumindest einen Blick riskieren. Es würde sich lohnen.

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